Das Abenteuer der Aufstellung eines Skelettes in Afrika

Dienstag, 24. Oktober 2017, 18:30 Uhr, nhm Vortragssaal

Bettina Henrich, zoologische Präparatorin am Naturhistorischen Museum Mainz

 
Im Sommer 2016 stellten Eric Milsom, paläontologischer Präparator am Hessischen Landesmuseum Darmstadt, und seine Frau Bettina Henrich, zoologische Präparatorin am nhm, innerhalb von fünf Wochen das Skelett eines Spitzmaulnashorns für das Cultural and Museum Center Karonga (CMCK) in Nordmalawi auf. Prof. Dr. Friedemann Schrenk aus Frankfurt [1], der dem  Land Malawi sehr verbunden ist,  da er seit den 1980er Jahren dort forschte und Ausgrabungen leitete, eröffnete im Jahr 2004 das CMCK. Hier kann der heimischen Bevölkerung die Urgeschichte ihres Landes nahe gebracht werden. So war es auch Friedemann Schrenks Idee, das Nashornskelett für die Daueraustellung aufzustellen.
 
Das Skelett stammt von einem jungerwachsenen Weibchen, ca. 8 bis 9 Jahre alt, das die Umsiedlung vom Krüger-Nationalpark, Südafrika, in den Liwonde-Nationalpark, Malawi, im Oktober 2000 nicht vertragen hatte und schon nach drei Monaten verstarb. Das Nashornweibchen wurde Chimwemwe genannt, ein in der Region üblicher Frauennamen, der "Freude" bedeutet.

Die Knochen von Chimwemwe wurden von Prof. Dr. Friedemann Schrenk [1] und dem Manager des Liwonde-Nationalparks im September 2002 eingesammelt. Danach erhielten Erik Milsom und Bettina Henrich eine Anfrage von Prof. Schrenk, das Skelett zu montieren.

Nach einer Besichtigung vor Ort im August 2009 stellte sich heraus, dass das Skelett äußerlich sauber und so gut wie vollständig war. So konnte endlich 2016 die Idee realisiert werden. Das Skelett musste nur noch gewaschen werden. Die Wirbelsäule und das Becken wurden auf ein Metallrohr gezogen. Die Knochen wurden mit verschiedenen Klebern und Metallstücken zusammengesetzt. Das Metallgestell zur Montage und der Holzboden wurden mit Schweißern und einem Schreiner vor Ort erstellt; ein Schnitzer ersetzte einige fehlende Fußknochen in Holz. Die Aufstellung war bis zum Schluss spannend, hieß es doch, trotz mitgebrachter Materialen, mit den Mitteln und Gegebenheiten vor Ort zurecht zu kommen.

Am 22.06.2016 wurde das Skelett von Chimwewe unter großer Anteilnahme der Bevölkerung per Lastwagen ins Museum überführt. Dort bildet es nun als Säugetierskelett ein völlig neues Ausstellungselement und eröffnet neben dem Skelettabguß eines Malawisaurus  weitere Themenfelder.

Aus Sicherheitsgründen sind die wertvollen Nasenhörner bei der Liwonde-Nationalparkverwaltung verblieben

[1] Prof. Friedemann Schrenk (Paläoanthropologe): 1993 - 2000 Leiter der Abteilung für Paläontologie am Hessischen Landesmuseum Darmstadt, seit 2000 Leiter der Sektion für Paläoanthropologie am Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg und Professor für Paläobiologie der Wirbeltiere an der Goethe Universität in Frankfurt/Main.